Vorabbedarfe dienen zur Deckung realer Bedarfe, die zu einem späteren Zeitpunkt generiert werden. Dies ist sinnvoll bei Teilen mit langer Wiederbeschaffungszeit (Planlieferzeit oder Eigenfertigungszeit). Aus diesem Grund machen Vorabbedarfe keinen Sinn für z.B. Stufe-0-Teile innerhalb eines Kundenauftrages. Man kann dort nämlich direkt die entsprechende Auftragsposition erstellen und muß nicht den Umweg über einen Vorabbedarf gehen.
Deshalb sollte man Vorabbedarfe nur für dispositive Unterpositionen einer Fertigungsstückliste erstellen, die als ganzes noch nicht aufgelöst und technisch freigegeben ist, wenn der Zeitpunkt zwischen Technischer Freigabe und benötigtem Beschaffungstermin kürzer als die zu erwartende Lieferzeit ist. Das gleiche kann aber auch für lagergeführte Unterpositionen gelten, die einen sehr niedrigen Mindestbestand haben, einen hohen Verbrauch aufzeigen und aber auch eine relativ lange Lieferzeit haben. Dort kann man den Vorabbedarf benutzen um schon einmal vor der eigentlichen Dispositionen der letztendlichen aufgelösten Stückliste eine bestimmte Anzahl von Teilen im Lager zu reservieren.
Die Erstellung macht vom System her nur Sinn, wenn effektiv zu einem späteren Zeitpunkt das vorgeplante Teil wirklich auch disponiert wird also gegengerechnet werden kann. Es macht also keinen Sinn, einen Vorabbedarf für ein Teil X zu erstellen, wobei dieses Teil immer als Bestandteil des übergeordneten und lagergeführten Teils Z vorkommt, dieses Teil Z auch letztendlich disponiert wird. Genau so wenig Sinn macht es, einen Vorabbedarf für ein Teil zu erstellen, das in Stücklisten nur als konstruktive (fiktive) Position vorkommt und letztendlich selber nie gefertigt also auch nicht disponiert wird.
Im Rahmen der Vorplanung können Vorabbedarfsbelege erstellt werden. Beim Erstellen eines Vorabbedarfs wird angegeben, für welchen Auftrag zu welchem Termin wie viel Ware voraussichtlich benötig wird. Ein Vorabbedarfsbeleg kann mehrere Positionen beinhalten. Es kann pro Auftrag für jedes Teil nur ein - nicht abgeschlossener, offen laufender - Vorabbedarf ausgelöst werden.
Eine terminierte Vorabbedarfsposition (mit einem Bereitstellungstermin) wird im Dispositionskonto als ein Bedarfsauslöser ("zukünftiger Abgang") gebucht, führt also zur Bedarfserhöhung für das entsprechende Teil.
Das "Ziel" des Beleges ist, die vorgeplante Menge zu reservieren bzw. im voraus zu beschaffen. Später wird die jeweilige Vorabbedarfsposition durch einen "echten" Bedarfsauslöser im Dispokonto ersetzt; das kann eine Auftragsposition oder eine Teileanforderungsposition sein.
Der Vorabbedarf bucht immer zwei Mengen im Dispokonto:
1. Kundenauftragsmenge (noch nicht bereitgestellte Menge der
Vorabbedarfsposition)
2. Reservierte Menge (noch nicht einer Auftragsposition
zugeordnete Menge der Vorabbedarfsposition)
Mehr über die Buchungen hier.
Der Vorabbedarf bleibt so lange im Dispokonto, bis er weder eine offene,
nicht zugeordnete Menge, noch eine offene, nicht bereitgestellte Menge mehr hat.
So kann es sein, daß ein Vorabbedarf im Dispokonto mit offener Menge 0
erscheint. Dieser zählt dann lediglich die reservierte Menge hoch.
Wie der Bedarf gedeckt wird, hängt davon ab, ob das Teil ein Kaufteil oder ein Fertigungsteil ist.
Beim Speichern einer terminierten (d.h. ein Bereitstellungstermin wurde eingegeben) Vorabbedarfsposition mit einem dispositiven Kaufteil wird automatisch eine Bedarfsanforderung erzeugt, die dann an einem gewöhnlichen Beschaffungszyklus teilnimmt (Genehmigung, Bestellung u.s.w.). Der durch den Vorabbedarf erzeugte Bedarf wird somit gleich wieder durch eine Bedarfsanforderung bzw. Bestellung im Dispositionskonto gedeckt.
Wenn der Wareneingang eingetroffen ist, kann er sofort für diesen Auftrag bereitgestellt werden. Auch wenn der Vorabbedarf noch nicht einer Auftragsposition zugeordnet wurde.
Der Bedarf an lagergeführten Kaufteilen wird normalerweise über die Bedarfs- und Bestandliste gemeldet, über die auch die Beschaffungskette gestartet werden kann.
Sobald terminiert (d.h. ein Bereitstellungstermin wurde eingegeben), kann für die Vorabbedarfsposition mit einem Fertigungsteil der Produktionszyklus gestartet werden: mit dem Drücken auf dem Knopf "Auflösen Stücklisten" (im Toolbar auf der Vorabbedarfspositionsmaske) wird das Auflösen der bei dem Teil definierten Stückliste gestartet.
Der Bedarf wird durch die entsprechende Fertigungsauftragsposition gedeckt.
Die durch eine Vorabbedarfsposition reservierte Menge kann in zwei Fällen aufgebraucht werden:
1. Ein Teil wird für einen Auftrag vorgeplant -> in dem Auftrag wird eine Auftragsposition mit dem gleichen Teil erstellt => die Auftragsposition wird automatisch mit der Vorabbedarfsposition verbunden (Beleghistorie) und die Menge wird umgebucht.
Wenn die volle reservierte Menge verbraucht wurde (Auftragspositionsmenge größer oder gleich der über Vorabbedarf reservierten Menge), dann ist der Vorabbedarf somit automatisch abgeschlossen; ansonsten wird nur die Auftragspositionsmenge umgebucht.
2. Ein Teil wird für einen Auftrag vorgeplant -> zu einer Auftragsposition in dem Auftrag wird eine Teileanforderung für die Produktion erstellt (z.B. ein Gozintograph), in der das vorgeplante Teil benötigt wird => die entsprechende Teileanforderungsposition wird automatisch mit der Vorabbedarfsposition verbunden (Beleghistorie), Dispositionsart wird auf "Vorab"-Art gesetzt und die Menge wird umgebucht.
Wenn die volle reservierte Menge verbraucht wurde (Teileanforderungspositionsmenge größer oder gleich der über Vorabbedarf reservierten Menge), dann ist der Vorabbedarf somit automatisch abgeschlossen; ansonsten wird nur die Teileanforderungspositionsmenge umgebucht.
Über den "Entfernen" Knopf über der Liste im Vorabbedarfsbearbeitungsfenster
können Vorabbedarfspositionen entfernt werden.
Wurde dieser Vorabbedarf noch nicht weiterverarbeitet, so kann dieser einfach
gelöscht werden. Wurde aber bereits eine Bedarfsanforderung gestellt oder eine
Stückliste aufgelöst, oder wurde dieser Vorabbedarf bereits mit einem
Bedarfsauslöser verbunden, so müssen vom System beim Löschen diverse
Besonderheiten beachtet werden. Alle Möglichkeiten werden hier in der Liste
angezeigt und erklärt, was mit ihren Nachfolgern passiert:
| Bearbeitungszustand | Anschließender Zustand |
|---|---|
| Vorabbedarf wurde noch nicht weiterverarbeitet |
Komplett gelöscht |
| Für Vorabbedarf wurde bereits die Fertigungsstückliste
aufgelöst |
Komplett gelöscht |
| Für Vorabbedarf wurde bereits eine Bedarfsanforderung
erstellt |
Vorabbedarfsposition = storniert Bedarfsanforderung = storniert |
| Vorabbedarf wurde noch nicht weiterverarbeitet aber
bereits mit Auftragsposition verbunden |
Vorabbedarfsposition = gelöscht Auftragsposition = getrennt |
| Für Vorabbedarf wurde bereits eine Bedarfsanforderung
und eine Bestellung angelegt, Vorabbedarf wurde mit Stufe 0 AU-Position
verbunden |
Vorabbedarfsposition = storniert Bedarfsanforderungsposition = gestoppt (wird automatisch storniert, wenn Bestellung durch Einkäufer storniert wurde) |
| Für Vorabbedarf wurde bereits eine Bedarfsanforderung,
eine Bestellung und ein Wareneingang gebucht, Vorabbedarf wurde mit
Stufe 0 AU-Position verbunden |
Vorabbedarfsposition = storniert Bedarfsanforderungsposition = storniert Bestellposition = gestoppt, weil bereits eine Wareneingangsmenge verbucht wurde. Sobald die Wareneingansmenge per Retourbeleg oder per Einlagerung beseitigt wurde, kann die Liefereinteilung manuell storniert werden. |
| Für Vorabbedarf wurde bereits eine Fertigungsstückliste
aufgelöst, Teileanforderung+Fertigungsauftrag erstellt |
Vorabbedarfsposition = storniert Teileanforderungsposition = storniert Fertigungsauftragsposition = storniert |
| Für Vorabbedarf wurde bereits eine Fertigungsstückliste
aufgelöst, Teileanforderung+Fertigungsauftrag erstellt und mit AU Stufe
0 verbunden |
Vorabbedarfsposition
= storniert Teileanforderungsposition = storniert Fertigungsauftragsposition = storniert Auftragsposition = getrennt |
| Für Vorabbedarf wurde bereits eine Fertigungsstückliste
aufgelöst, Teileanforderung+Fertigungsauftrag erstellt und mit
Teileanforderungsposition von AU Stufe > 0 verbunden |
Vorabbedarfsposition
= storniert Teileanforderungsposition = storniert Fertigungsauftragsposition = storniert Verbundene Teileanforderungsposition = getrennt und auf Standarddisposition umgestellt. Die Terminierung und die Freigabe der Teileanforderungsposition wurde zurück genommen. Die Freigabe der Teileanforderung selbst muß manuell vor dem Storno der Vorabbedarfsposition zurück genommen werden (es erscheint sonst aber auch ein Hinweis darauf!) |
| Registrierte Menge im Dispokonto | |||||
| Situation | Vorabbedarf reservierte Menge reserved.quantity (Noch nicht zugeordnete Menge der Vorabbedarfsposition) |
Vorabbedarf Kundenbedarfs-Menge odered.quantity (Noch nicht bereitgestellte Menge der Vorabbedarfsposition) |
Teileanforderung_1 (Abgang) ordered.quantity (Teileanforderungsposition, die aus der Weiterverarbeitung des Vorabbedarfs entstanden ist) |
Fertigungsauftrag (Zugang) produced.quantity |
Teileanforderung_2 (verbunden) (Abgang) ordered.quantity |
|---|---|---|---|---|---|
Nur Vorabbedarf erstellt![]() |
1 Stück | 1 Stück | |||
| Vorabbedarf noch nicht bearbeitet aber bereits mit
Teileanforderungsposition verbunden. Teileanforderungsmenge = Vorabbedarfsmenge ![]() |
10 Stück | ||||
| Vorabbedarf noch nicht bearbeitet aber bereits mit
Teileanforderungsposition verbunden. Teileanforderungsmenge > Vorabbedarfsmenge ![]() |
10 Stück |
5 Stück |
|||
Vorabbedarf bereits in Gozinto verarbeitet, noch nicht
verbunden![]() |
10 Stück | 10 Stück | 10 Stück | ||
Vorabbedarf in Gozinto verarbeitet und mit weiterer
Gozintoposition verbunden![]() |
10 Stück |
10 Stück | |||
| Vorabbedarf in Gozinto verarbeitet und mit weiterer
Gozintoposition verbunden: Nicht volle geforderte Menge: Teileanforderungsmenge > Vorabbedarfsmenge ![]() |
10 Stück | 10 Stück | 5 Stück | ||
Die Gozintoposition, die direkt aus dem Vorabbedarf erstellt wurde (nicht verbunden wurde), wird niemals ins Dispokonto gebucht. (Maximum.level=0 oder hat Vorgänger Vorabbedarf und gleichzeitig keine captured.quantity) Die verbundene Gozintoposition wird nur mit der Menge amount.Amount() - captured.quantity verbucht
| Vorabbedarf | Dispokonto | |||
|---|---|---|---|---|
| estimated.quantity | transfered.quantity | ordered.quantity | ordered.quantity | reserved.quantity |
| 10 | 0 | 0 | 10 | 10 |
| 10 | 5 | 0 | 5 | 10 |
| 10 | 0 | 5 | 10 | 5 |
| 10 | 5 | 5 | 5 | 5 |
| 10 | 5 | 2 | 5 | 8 |
| 10 | 2 | 5 | 8 | 5 |
| Vorabbedarf: | |
| ordered.quantity | mit Kundenauftragsposition oder Gozintoposition verbundene Menge |
| transfered.quantity | für Vorabbedarf disponierte und bereitgestellte Menge |
| Dispokonto: | |
| ordered.quantity | Kundenauftragsmenge: Die Vorabbedarfsmenge, die noch nicht bereitgestellt wurde |
| reserved.quantity | Reservierte Menge: Vorabbedarfsmenge, die noch nicht mit Kundenauftragsmenge verbunden ist |
| Berechnung der Dispokontofelder: | ||
| ordered.quantity(Dispokonto) = estimated - transfered | = noch offen zu disponieren (bereitzustellen) für VB | |
| reserved.quantity(Dispokonto) = estimated - ordered | = noch nicht verbunden |
Ist für ein dispositives Teil der Vorabbedarfsposition ein Lagerbestand vorhanden, so wird bei gesetzter Option "Überhangmengen automatisch verbrauchen" eine teilweise Lagerreservierung über einen Lagerzurücklegungsbeleg erstellt. Ist die komplette Vorabbedarfsmenge vorhanden, so wird auch die komplette Menge vom Lager reserviert. Bei Teilmengen wird entsprechend der Folgebeleg um die reservierte Menge vermindert (Teileanforderung oder Bedarfsanforderung).